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Die Entstehung der Konsumkultur
Drei Trends prägen die amerikanische Gesellschaft in der Zeit zwischen
dem Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg besonders: Erstens das
schnelle Bevölkerungswachstum, zweitens die Urbanisierung und schließlich
das starke, von zyklischen Krisen unterbrochene Wirtschaftswachstum.
Das enorme Bevölkerungswachstum der USA von 40 Millionen Menschen
1870 auf 60 Millionen 1890, 90 Millionen 1910 und schließlich 120
Millionen 1930 beruhte zu ungefähr einem Drittel auf der Einwanderung.
Die meisten Menschen, nämlich fast neun Millionen, kamen im ersten
Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Die 1886 errichtete Freiheitsstatue begrüßte
die mit immer billigeren Passagen über den Atlantik gekommenen Einwanderer,
bevor sie ab 1892 auf Ellis
Island amerikanischen Boden betraten. Die restriktiven gesetzlichen
Bestimmungen des quota systems am Ende der 1920er Jahre beendeten
diese Einwanderungswelle, so dass in den 1930er Jahren nicht einmal eine
halbe Million Menschen einwanderte. Das schnelle Wachstum durch die Einwanderung
und die hohe Geburtenrate als zweitem Faktor bewirkte, dass die USA eine
junge und dynamische Bevölkerung besaßen.
Die immer größer werdende Anzahl von Menschen lebte zunehmend
in Städten, so dass ca. 1920 erstmals mehr Menschen in Städten
als auf dem Land zu Hause waren. Ungefähr 1890 war der gesamte Kontinent
erschlossen und so das Ende der frontier eingeläutet. In den
Städten hatte sich durch Professionalisierung und Akademisierung
vieler Berufe eine neue Mittelklasse herausgebildet. Sie bestimmte besonders
in den roaring twenties das Bild der Städte. Die Konsumkultur
zwischen Supermarkt und Freizeit brachte mit ihren neuen Verhaltensformen,
Medien und vor allem der Werbung
eine Modernisierung der Lebensverhältnisse. Die städtisch orientierte
Kultur dominierte von nun an das Bild Amerikas.
In der Zeit nach dem Bürgerkrieg waren eine städtische Industriegesellschaft
und ein nationaler Markt entstanden. Dieser Binnenmarkt mit einer Währung
und einem leistungsfähigen Transportsystem ohne Zollschranken und
andere Hindernissen ist ein maßgeblicher Faktor für das enorme
Wachstum, welches von 1865 bis 1914 jährlich bei über vier Prozent
lag. Der Aufstieg von Firmen zu Großkonzernen und schließlich
zu nahezu übermächtigen Industrieimperien, der das vergoldete
Zeitalter bis 1896, das so genannte Gilded Age kennzeichnet, zeigt
den geringen Einfluss des Staates auf die Wirtschaft. Es ist die Zeit
des Wirtschaftsliberalismus und des festen Glaubens an die Selbstregulierungskräfte
des Marktes. So entsteht keine Bürokratie und kein Zentralstaat.
Die vorhandenen Interessenkonflikte führen nicht zu einer Spaltung
der Gesellschaft, sondern werden durch vorsichtige Reformen beigelegt
oder gehen in der Dynamik der hohen Mobilität und des zunehmenden
Wohlstandes unter. Industrieführer wie Rockefeller, Carnegie oder
Ford werden reich und prägen das Bild des Selfmademan, der
durch seine Arbeit alles erreichen kann. Dafür sind Hearst und Pulitzer
ebenfalls populäre Beispiele. Die durchrationalisierten Konzerne
bewirken eine große Produktivitätssteigerung, auch durch die
Disziplinierung der Arbeiterschaft. Der Taylorismus und die Fließbandproduktion
sind Merkmale der Disziplinierung. Die Ausweitung der Industriearbeitsplätze
zu Lasten der Landwirtschaft lässt immer mehr Menschen über
relativ hohe Löhne verfügen, die kontinuierlich steigen. Dazu
kommen noch durch die große Produktivität bedingte niedrige
Preise, so dass diese beiden Bedingungen den Konsum ankurbeln. Ebenso
etablierte sich eine klare Trennung in Arbeitszeit und Freizeit. Diese
Freizeit wurde dem Konsum gewidmet. Mit der Medienindustrie von der Presse
übers Radio bis zum Film, mit der Unterhaltungsindustrie von der
Wild West Show bis zum Broadwaymusical und mit dem professionellen Sport
entstand die popular culture.
Alle diese drei Prozesse, Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sowie
die Urbanisierung, symbolisieren Geschwindigkeit und Veränderung.
Die euphorische Technikgläubigkeit, der Pragmatismus und die Verwissenschaftlichung
mit ihren ständig neuen Erkenntnissen, die über die boomende
Medienlandschaft transportiert wurden, führten zum ungebrochenen,
die Epoche kennzeichnenden Fortschrittsoptimismus, der erst durch die
Weltwirtschaftskrise gedämpft wurde.
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