Entstehung der Massenmedien

Die Presse ist eng mit der Entstehung der USA verknüpft. Amerikanische Helden wie Benjamin Franklin oder Thomas Paine waren Journalisten, Verleger und Herausgeber. Der Kampf um eine freie Presse sowie um ihre Besteuerung gehörte zu den wichtigsten Ursachen des Unabhängigkeitskrieges.
Im 19. Jahrhundert entstand dann, begünstigt durch verbilligte Produktion und Distribution auf Grund von technischen Entwicklungen beim Druck und im Verkehrs- und Kommunikationswesen, eine Massenpresse. Kommentare und Essays traten gegenüber Neuigkeiten und Werbung zurück. Die Unterhaltung begann in den Vordergrund zu rücken. Nach dem Bürgerkrieg beschleunigte sich diese Entwicklung. Parallel zum Entstehen der modernen, urbanen und industrialisierten Gesellschaft entstanden die Massenblätter, die zur Jahrhundertwende den comic strip gebären sollten.
Zwischen 1870 und 1900 vervierfachte sich in den USA die Anzahl der Tageszeitungen und deren Gesamtauflage versechsfachte sich sogar. So gab es 1900 ca. 2.000 englischsprachige Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 15 Millionen Exemplaren. Zeitungen gab es nun in fast jedem Ort und in den großen Städten konkurrierten zahlreiche, sowohl morgens als auch abends erscheinende Blätter um die Gunst der Leser. Sonntagsausgaben begannen sich Anfang der 1880er Jahre durchzusetzen. Hinzu kamen Wochenzeitschriften und die meist monatlich publizierten Magazinen.
Die Organisation der Zeitungen wandelte sich von kleinen Betrieben mit einem oder wenigen Mitarbeitern zu großen Redaktionen und technischen Abteilungen. Bei den großen Blättern gab es seit den 1890er Jahren fest angestellte Korrespondenten und spezialisierte Reporter und Redakteure. Die freie Mitarbeit blieb aber weiterhin wichtig. 1848 war in New York von den führenden Morgenzeitungen die Associated Press als Nachrichtenagentur gegründet worden. Gemeinsam mit den europäischen Agenturen - besonders Reuters als Besitzer des größten weltweiten Kabelnetzes ist hier wichtig - konnten so die lokalen Zeitungen mit überregionalen Nachrichten versorgt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Entwicklung der Presse ist die Drucktechnik. Neben den vor allem kostensenkenden Innovationen für die Quantität kommt der gestiegenen Qualität eine besondere Bedeutung zu. So nahm die Anzahl der Illustrationen zu und seit den 1880er Jahren konnten auch Photos ohne all zu große Qualitätseinbußen reproduziert werden. Erste Experimente mit Farbdruck gab es Anfang der 1890er Jahre.
Zwei Namen sind besonders mit dem Aufstieg der Massenblätter verknüpft: Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst. Pulitzer erstand 1883 die New York World und machte aus ihr das populärste und meist gelesene Blatt der USA, einschließlich der Sunday World und der Evening World. Hearst kaufte 1895 das Morning Journal und begann den Konkurrenzkampf mit Pulitzer, der zu einer neuen Art des Journalismus führen sollte – der yellow press.
Die in den 1840er Jahren entstandene penny press definierte sich über ihren Preis als Massenware. Die yellow press tat dies über die Inhalte, besonders aber über die Art und Weise der Darstellung. Sex, Konflikt, Gewalt und Kriminalität wurden sensationslüstern aufbereitet. Diese Sensationspresse legte Wert auf Themen, die nah am Leben der Leser waren und sie emotional berührten. Damit konnten beide Blätter um 1900 eine Auflage von über einer Million erzielen.
Mächtige Konkurrenz bekam die yellow press in den 1920er Jahren mit dem Radio und dem Film. Nachdem die experimentelle Phase beendet war, in der die Technik und die Ausdrucksmöglichkeiten entwickelt wurden, und ein professionelles kommerzielles Angebot bestand, gewannen diese Medien immer mehr an Bedeutung. Der Film wurde zum wichtigsten visuellen Massenmedium. Weder Radio noch der Film ersetzten aber die Zeitungen.