Comics in den Massenmedien

Zahlreiche Illustrationen hatten die Entstehung der Massenblätter in den USA begleitet. Um 1900 führten sie zu einer neuen Ausdrucksform – dem Comic.
Politische und satirische Cartoons gehörten mit zu dessen Ursprüngen. Sie waren ein äußerst beliebtes Mittel der Kritik und der Unterhaltung. Die Zeitungen beschäftigten mehrere freie oder bei Humormagazinen beschäftigte Cartoonisten und Illustratoren. So hatte sich für die Leser die Verbindung zwischen Zeichnung und Humor etabliert. Besonders in den sonntäglichen Ausgaben der Zeitungen, die noch mehr als die werktäglichen Ausgaben auf Unterhaltung ausgerichtet waren, wurden diese Werke veröffentlicht. Bald kamen zu den politischen Themen allgemeinere Inhalte hinzu. Die ersten Bildgeschichten, immer mit erheiternden Zeichnungen und Inhalten, erschienen in den frühen 1890er Jahren. Diese Zeichnungen bekamen die Namen the new humor, funnies oder comic stories. Daraus entwickelte sich später der Begriff Comic. Die Namen signalisierten den absolut vorherrschenden Sinn und Zweck dieser Bilderfolgen: den Leser zu amüsieren und zu unterhalten.
Mit dieser Art der Unterhaltung konnte Auflage gemacht und die Leser an das Blatt gebunden werden. So wuchsen die beiden New Yorker Zeitungen von Pulitzer und Hearst, in denen die ersten comic strips erschienen, erheblich und dies auch aufgrund der Comics. Richard F. Outcaults Yellow Kid war so gefragt, dass sich die beiden Magnaten um den Zeichner, der mehrfach die Seiten wechselte und um die Bildrechte stritten. Das Copyright war noch nicht sehr entwickelt und so kam es häufig vor, dass sehr ähnliche oder sogar die gleichen Serien bei mehreren Zeitungen liefen. Im Allgemeinen hatte der Zeichner die Rechte an der Figur und der Verleger die für den Titel der Serie.
Diese Figuren, allen voran Richard F. Outcaults Yellow Kid, waren so populär, dass mit ihnen auch andere Produkte beworben wurden. Das Yellow Kid warb für Kekse und Zigaretten. Es gab Spiele, Figuren und Dinge des täglichen Gebrauchs, die mit der Figur verziert waren. Das erste Mal übernahm ein anderes Medium einen Charakter, so gab es ein Broadwaystück mit dem Yellow Kid als Hauptfigur. Anderen Figuren gelang ebenfalls dieser Sprung in die Werbung.
Diese wurde seit den 1920er Jahren stark vom Comic beeinflusst. Nicht nur dass viele Zeichner sowohl Comics als auch Werbegrafiken herstellten, auch die Werbung selbst bediente sich der Bildsprache des Comics.
Im ersten Drittel des 20ten Jahrhunderts formierte sich die USA als moderne Gesellschaft und als eine Nation. Das Comiclesen gehörte dazu. Es entstand ein nationaler Markt für Comics. Bis 1908 gab es in über fünfzig Orten Zeitungen mit Comicbeilage, so dass ca. 20 Prozent der amerikanischen Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt Zugang zu comic strips hatten. Damit waren sie als Ware interessant. Diese Ware wurde nun organisierter hergestellt. Waren es anfangs noch einzelne Zeichner, die Figuren und Szenarien entwarfen, wurden es Ende der 1930er Jahre Shops. Von Anfang an gab es aber keine enge Bindung zwischen Künstler und Werk. Die Serien wurden häufig von anderen Zeichnern fortgesetzt, teilweise waren sie auch anonym. Die berühmten Beispiele sind aber nahezu alle Werke, bei denen der Autor wichtig ist. Diese Serien wurden meist beendet, wenn der Künstler den Verlag wechselte oder starb. Trotzdem waren es nahezu industrialisierte Gemeinschaftswerke. Die Kolorierung beispielsweise wurde in der Frühzeit vom Drucker übernommen, da er das technische Know-How hatte. Besonders deutlich wurde die Arbeitsteilung, als Mitte der 1930er Jahre die Shops aufkamen. Mit dem Aufkommen des comic books und der dafür erforderlichen hohen Anzahl an Produkten schlossen sich Zeichner und Autoren zusammen, um ihre Werke fließbandmäßig herzustellen und professionell an die Verlage zu verkaufen. Es entstand eine Arbeitsteilung, die vom script über die Vorzeichnung bis zur Kolorierung und zum Lettering führte.
Ebenso waren die Zeitungen in Syndikaten organisiert. In ihnen kursierten dann die comic strips. Es gab auch eigene Syndikate für Comics. Sie kümmerten sich um die Vermarktung, besonders für kleinere Zeitungen im ganzen Land.
Der comic strip durchlief einen Wandel der Erscheinungsformen. Er wandelte sich von den sunday strips zu den daily strips und schließlich zu den comic books. Der erste daily strip erschien 1903 im Chicago American, allerdings dauerte es bis 1907, bis eine Serie populär wurde und sich das Prinzip der täglichen Veröffentlichung durchsetzte. Diese Serie hieß Mutt and Jeff und hatte als Thema Pferdewetten. Sie erschien im San Francisco Chronicle, bevor sie zu einer von Hearsts Zeitungen wechselte. 1912 hatten sich vier Typen des Comics etabliert: Strips, die nur sonntags in Farbe erschienen, Strips, die nur werktags in Schwarz-Weiß erschienen, Strips, die einen Erzählstrang nur werktags in Schwarz-Weiß und einen weiteren Strang farbig am Sonntag hatten, und schließlich Serien, deren Geschichte über alle Wochentage lief, meist in Schwarz-Weiß. Dies blieb nahezu unverändert, bis 1935 die ersten comic books auf den Markt kamen. Vorher gab es schon Sammlungen von Zeitungsstrips, aber dass ein eigenes Heft mit extra dafür produzierten Geschichten auf den Markt kam, war neu. Das comic book gab der Geschichte des Comics eine andere, eigene Richtung, während die Zeitungsstrips weiterliefen und in den USA auch heute noch populär sind.